📚 Glossar – Begriffe zum Spüren & Verstehen
Achtsame Berührung
Eine absichtslose, respektvolle Berührung, bei der Präsenz, Konsens und Langsamkeit im Vordergrund stehen. Sie stärkt das Gefühl von „Ich bin richtig, wie ich bin.“
Berührungsdeprivation
Ein Zustand, in dem einem Menschen über längere Zeit wohltuende, zwischenmenschliche Berührung fehlt. Kann zu emotionalem Rückzug, Reizbarkeit oder sogar körperlichen Symptomen führen.
C-taktile (CT) Afferenzen / Zellen
Langsam leitende Nervenzellen in der Haut, die auf sanfte, langsame Streichelberührungen reagieren. Sie senden Signale direkt ins emotionale Zentrum des Gehirns – und lösen Gefühle wie Geborgenheit, Zugehörigkeit und Wohlbefinden aus.
Co-Regulation
Das gegenseitige Regulieren zweier Nervensysteme durch Verbindung, Blickkontakt oder Berührung. Besonders wichtig bei Kindern – aber auch im Erwachsenenalter heilsam und nährend.
Embodiment
Das bewusste Erleben des Körpers von innen. Verkörperung stärkt die Verbindung zu Gefühlen, Intuition und Selbstmitgefühl – besonders wichtig nach Trauma oder langer Funktionalisierung.
Faszien
Feines Bindegewebe, das den ganzen Körper durchzieht. Reagiert auf Stress, Anspannung und Berührung. Faszien können Erinnerungen „halten“ – und über sanfte Berührung auch loslassen.
Grenzen (körperlich/emotional)
Die Wahrnehmung und Kommunikation dessen, was dir gut tut – und was nicht. Grenzen zu spüren ist ein Zeichen innerer Stärke, nicht von Abwehr.
Mutterhunger
Ein tiefes, oft unerkanntes Sehnen nach bedingungsloser mütterlicher Nähe, nach Trost und Halt. Besonders spürbar in Beziehungen oder durch Trigger in Berührungssituationen.
Nachbeelterung
Ein nachträgliches „Versorgen“ von frühen Bedürfnissen durch sichere, haltgebende Beziehungen. Dies kann im therapeutischen Kontakt oder über achtsame Selbstzuwendung geschehen.
Oxytocin
Das sogenannte „Kuschelhormon“. Wird durch vertrauensvolle Berührung ausgeschüttet und wirkt stressreduzierend, herzöffnend und bindungsfördernd.
Polyvagal-Theorie
Ein neurobiologisches Modell nach Stephen Porges, das erklärt, wie unser autonomes Nervensystem zwischen Verbundenheit, Flucht/Kampf oder Erstarrung hin- und herpendelt. Sicherheit ist die Grundlage für soziale Offenheit und Heilung.
Regulation (Selbst- & Co-Regulation)
Die Fähigkeit, das eigene Erregungsniveau im Nervensystem wieder in Balance zu bringen. Achtsame Berührung kann diesen Prozess sanft begleiten.
Safe Space / Sicherer Raum
Ein Ort – innen oder außen – an dem du dich sicher, respektiert und gesehen fühlst. Nur in einem solchen Raum können tiefe Prozesse von Loslassen, Vertrauen und Heilung geschehen.
Skin Hunger / Berührungshunger
Ein intensives, oft unbewusstes Verlangen nach zwischenmenschlicher Berührung. Entsteht bei chronischer Berührungsarmut – besonders in westlichen Kulturen, bei älteren Menschen, Singles oder nach Trauma.
Somatische Intelligenz
Das intuitive Wissen des Körpers darüber, was ihm guttut, was zu viel ist und was Heilung.